ALEUS
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EU Sprachpolitik

Wird die Europäische Union an der Sprachenvielfalt scheitern?

Günter Lobin, Universität Paderborn

 

Die immer wieder hoch gelobte Vielfalt von Kulturen und Sprachen in der Europäischen Union könnte der Findung einer europäischen Identität – eines europä­ischen Wir-Gefühls - im Wege stehen. Der Lösung des Sprachenpro­blems kommt deshalb eine große Bedeutung zu.

 

1. Die Sprachen in der Europäischen Union

Zur Europäischen Union (EU) gehören inzwischen 28 Staaten an und weitere haben ihr Interesse bekun­det in diese Gemeinschaft aufgenommen zu werden. Die Menschen in diesen Ländern sprechen fast alle eine andere Sprache. Diese Sprachenvielfalt wird den Ländern durch Anerkennung der einzelnen Sprachen als Amtssprache garantiert, mit den damit verbundenen nachhaltigen Auswir­kungen, d.h. An­spruch auf Übersetzung von Gesetzen und Regelungen der EU. Es ergeben sich immerhin 24 Amts­spra­­chen, die sich auf ca. 500 Millionen Menschen verteilen.

Betrachtet man die prozentuale Verteilung der Nationalsprachen bezogen auf die EU-Gesamtbevölke­rung, so ergibt sich für die am häufigsten gesprochenen Spra­chen folgendes Bild: (Europabarometer Spezial, 2006)  

 

als Muttersprache

als Fremdsprache

gesamte Sprecher der Sprache

Deutsch

Germany:18%

14%

32%

Französisch

14%

14%

28%

Englisch

13%

38%

51%

Italienisch

13%

3%

16%

Spanisch

9%

6%

15%

Polnisch

Poland9%

1%

10%

Niederländisch

Netherlands5%

1%

6%

Griechisch

3%

0%

3%

Schwedisch

2%

1%

3%

Tschechisch

Republic2%

1%

3%

Portugiesisch

2%

0%

2%

Ungarisch

Hungary2%

0%

2%

Russisch (Mind.)

1%

6%

7%

Slowakisch

Slovakia1%

1%

2%

Katalanisch (Mind.)

Spain1%

1%

2%

 

 

Bei diesen Angaben ist zu bedenken, dass die Sprachqualität der Fremdsprachen weit unter der der Muttersprache bleibt. Dies wird allerdings in der Regel bei Befragungen nicht differenziert. Vielmehr wird den Befragten die Beurteilung ihrer eigenen Sprachqualität überlassen. Deshalb reicht die Band­breite der Kriterien von einfachsten Kenntnissen bis zur hohen Sprachkompetenz und ist für Sprach­ver­­gleiche nicht aussagefähig.

Zudem gibt es noch eine nennenswerte Anzahl von Minderheitensprachen, wie Katalanisch, Baskisch, Bretonisch, Roman, Russisch, die ebenso schutzwürdig sind.

Eine Arbeitssprache ist die Sprache der Kommunikation innerhalb einer viel­sprachigen supranatio­nalen Organisation, eines Unternehmens oder einer Institution.

Die Europäische Union hat drei Arbeitssprachen, die auch die drei meistge­sprochenen und meistge­lern­ten Sprachen sind; nämlich Deutsch, Englisch und Französisch. Verhandlungen, Besprechungen und alle Veröffentlichungen der Europäischen Organe müssen in diesen drei Sprachen geführt bzw. bekannt­gegeben werden.

 

2. Die politischen Grundprinzipien der EU

In den einzelnen nationalen Ländern haben sich im Laufe ihrer Entstehung Grund­gesetze oder Ver­fas­­sungen gegeben, die ein Zusammenleben dieser Nationen oder Gesellschaften in einer Zweck- und Wertegemeinschaft regeln. Diese gemeinsame Grundlage gibt es in der EU bisher nicht.

Der Vertrag über eine Verfassung für Europa(VVE) sollte der Europäischen Union eine ein­heitliche Struktur und Rechtspersönlichkeit geben, wie sie die Nationalstaaten haben, und die bis dahin geltenden Grundlagenverträge ablösen. Dazu ist es bisher nicht gekommen und deshalb hat der Vertrag bisher keine Rechtskraft erlangt.

Trotzdem wäre der Vertragsinhalt, wie dies der Entwurf zeigt, nicht grund­sätzlich neu. An vielen Prinzipien orientiert man sich in der Praxis ach schon in der Vergangenheit. Ein gültiger Verfassungs­vertrag würde allerdings die EU noch handlungsfähiger und demokra­tischer machen.

Die  Ziele und Werte der Union, wie in Art. I-2 festgelegt, sind für das gesamte Handeln der EU verpflichtend. So heißt es dort: „Die Werte, auf die sich die Union gründet, sind die Achtung der Menschenwürde, Freiheit, Demokratie, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit und die Wahrung der Menschenrechte ein­schließlich der Rechte der Personen, die Minderheiten an­gehören. Diese Werte sind allen Mitgliedsstaaten in einer Gesellschaft gemeinsam, die sich durch Pluralismus, Nichtdiskriminierung, Toleranz, Gerechtigkeit, Solidarität und die Gleich­heit von Frauen und Männern auszeichnet.“

In diesem Zusammenhang interessieren vor allem jene Grundrechte, die mit der freien Ent­faltung der Persönlichkeit zu tun haben und vor allem allgemeine Persönlichkeitsrechte und damit das Recht auf informationelle Selbstbestim­mung regeln.

Auf der Ebene der Vereinten Nationen ist beispielsweise die Meinungsfreiheit im Art. 19 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte geregelt: „Jeder Mensch hat das Recht auf freie Meinungsäußerung; dieses recht umfasst die Freiheit, Meinungen unangefochten anzu­hängen und Informationen und Ideen mit allen Verständigungsmitteln ohne Rücksicht auf Grenzen zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten.“

In der EU ist die Meinungs- und Informationsfreiheit in Artikel 11, der noch nicht in Kraft getretene Charta der Grundrechte geregelt. „Jede Person hat das Recht auf freie Meinungs­äußerung. Dieses Recht schließt die Meinungsfreiheit und die Freiheit ein, Informationen und Ideen ohne behördliche Eingriffe und ohne Rücksicht auf Staatgrenzen zu empfangen und weiterzugeben.“

Artikel 21 regelt die Nichtdiskriminierung und verbietet u.a. die Diskrimi­nierung wegen der Sprache.

Im Artikel 42 der Charta der Grundrechte ist das Recht auf Zugang zu Doku­menten geregelt. Dort heißt es: „Die Unionsbürgerinnen und Unionsbürger sowie jede natürliche oder juristi­sche Person mit Wohnsitz oder satzungs­mäßigem Sitz in einem Mitgliedstaat haben das Recht auf Zugang zu den Doku­menten des Europäischen Parlaments, des Rates und der Kommis­sion.“ Ohne Fremdsprachenkenntnisse hilft dieses Recht den Bürgern nicht.

All diese Forderungen sollen verwirklicht werden auf der Grundlage des Artikels 22, der die Vielfalt der Kulturen, Religionen und Sprachen schützen soll. „Die Union achtet die Vielfalt der Kulturen, Religionen und Sprachen.“

Dieses Prinzip wird geachtet bezüglich der Sprachen, durch die Anerkennung der meisten Nationalsprache der EU-Länder als Amtssprache der EU und in den jeweiligen bilateralen Verträgen zu gesichert. Offiziell gibt es 23 Amtssprachen. Hinzu kommt seit 2007 das Gälische aus Irland.

Obwohl der Artikel 11 die Gleichbehandlung aller Sprachen fordert und ebenso die Abfas­sung aller offiziellen Dokumente der EU in allen offiziellen Sprachen der EU verfügbar sein sollen, zeigt die Praxis ein ganz anderes Bild.

Die Sprachpraxis in den Instanzen der EU wird geprägt von den sog. Arbeits­sprachen Englisch, Französisch und Deutsch. Die Europäische Kommission hat die drei vorgenannten Sprachen in ihren internen Regeln per Gesetz bestimmt, also nicht demokratisch gewählt.

 

3. Die Defizite zwischen politischem Anspruch und Wirklichkeit

Wie so häufig in der Politik haben die Forderungen und die Umsetzung in die Wirklichkeit wenig gemeinsam. Kann der Widerspruch zwischen Pflege und Stär­­kung der kulturellen und sprachlichen Vielfalt, wie in Artikel 22 gefordert und dem Erreichen einer EU-Wertegemein­schaft mit einem entsprechenden europäischen Wir-Gefühl gelöst werden?

Der Weg dorthin wird nur über die sinnvolle Lösung des europäischen Sprachenproblems möglich sein.

Politisch sinnvoll und glaubwürdig ist eine Lösung dann, wenn möglichst viele Menschen in diese Wertegemeinschaft integriert sind und damit die verschie­denen Forderungen, wie in Abschnitt 2 beschrieben, auch erleben können. Wie es scheint können diese Forderungen in der Praxis gar nicht umgesetzt werden, weil es verschiedene Einschränkungen gibt.

Betrachtet man aus idealtypischer Sicht, die politische Forderung nach freien Zugang zu öffentlichen Doku­menten für jeden Bürger in der Muttersprache (Gleichbe- rechtigung der Sprachen!), dann müssten alle Dokumente der EU in den Amtssprachen der EU abgefasst  sein. Dies gilt bisher nur für die EU-Verträge. Vor allem ökonomische Gründe sind für diese Einschränkungen verantwortlich.

Um mit jedem EU-Bürger zu kommunizieren, wäre die Erlernung aller dieser National­sprachen erforderlich. Bei dieser idealtypischen Annahme wäre zwar die politische Forde­rung einge­löst, aber es fehlten die Bürger, die dies umsetzen könnten, weil keiner alle Amts­spra­chen erlernen kann. Es fehlte ihnen einfach die Zeit und die Fähigkeit, dieses Ziel zu erreichen.

Die vollständige Umsetzung dieser politischen Forderungen ist nicht mög­lich bzw. sogar unmöglich. Es sind also Kompromisse erforderlich, die versuchen wenigsten teil­weise diese politi­schen Ziele zu erreichen. Dafür sind verschie­dene Wege denkbar.

Die EU versucht dieses Sprachproblem zu lösen, indem sie von jedem Bürger das Erlernen der Muttersprache sowie von zwei Fremdsprachen, sog. Adoptiv­sprachen, fordert. Diese Konzeption wird mit Program­men unterschied­licher Art von der EU unterstützt. Ob dieser Weg letztlich zum Ziel führt, soll zu­nächst an der Situation des Fremdsprachenunterrichts im allgemeinen Bildungswesen der EU-Länder unter­sucht werden. Die weitere Darstellung orientiert sich deshalb an der Publikation „Key Data on Teaching Languages at School in Europe 2008“ vom Netzwerk Eurydice.

Wie sieht es nun mit der Mehrsprachigkeit aus, „eine der acht Schlüsselkompe­tenzen für lebens­langes Lernen, die im Dezember 2006 vom Rat und vom Euro­pä­ischen Parlament empfohlen wurde.“ (Ján Figel, EU-Kommissar für Bildung, Kultur und Jugend, ebd.)

Der Fremdsprachenunterricht(FU) beginnt früher als bisher, teilweise schon im Alter von 3-4 Jahren. In der Regel beginnt das Erlernen von Fremdsprachen in der EU aber im Alter von 8 – 10 Jahren. Der Anteil des FU im Primarbereich bleibt unter 10 % der allgemeinen Unterrichts­zeit. Die Zahl schwankt von 10 bis 80 Unterrichts-stunden(UStd.) pro Schuljahr. Ausnahmen sind Luxemburg mit 396 UStd. und Bulgarien mit 198 UStd. Eine leicht zunehmende Ten­denz ist erkennbar.  Angaben über die Fremdsprache, deren Inhalte und die zu lehrende Sprach­qualität werden nicht gemacht. In der EU werden in diesem Primar­bereich im Mittel zu ca. 70 % eine Sprache(überwiegend Englisch) gelernt, 3,5 % bieten zwei Sprachen an und in 27 % der Länder wird keine Fremdsprache angeboten.

Im unteren Sekundarbereich(Alter ca. 10 bis 16 Jahre) werden zunehmend zwei Fremdsprachen gelernt. Im Schuljahr 2006-2007 war in allen beteiligten Län­dern mit Ausnahme von Irland und Schottland minde­stens ein Jahr Fremd­sprachenunterricht vorgeschrieben. Etwa 58 % in der EU lernen in diese Alter zwei Fremdsprachen. Nicht in allen EU-Ländern ist der Fremdsprachen­unterricht ver­pflichtend. Im unteren Sekundarbereich(oberer Sekundarbereich [Alter ca. 15-18 Jahre]) wird keine Sprache in 0,7 % (8,8 %), eine Sprache in 45,6 % (37,0 %), zwei Sprachen in 55,2 % (46,6 %) und drei Sprachen in 3,2 5 (8,7) der Fälle angeboten.

Als Fremdsprachen werden in 95 % der Fälle Englisch, Deutsch, Französisch, Russisch und Spanisch gewählt. In allen EU-Ländern wird Englisch in Primar- und im allgemeinen Sekundar­bereich mit zunehmender Tendenz unterrichtet.

Im unteren Sekundarbereich lernt im Durchschnitt jeder Schüler 1,4 Fremdspra­chen und im oberen Sekundarbereich 1,6 Sprachen, d.h. es werden weniger als zwei Fremdsprachen durchschnittlich in der EU gelernt. Auch die angebotenen Fremd-sprachen erlauben kaum Wahlmöglichkeiten.

Die Zahl der Unterrichtsstunden für Fremdsprachen betrug in der EU im Jahre 2003/04 ca. 140 UStd. und 2006/07 ca. 156 UStd. pro Schuljahr. Bei 40 Unter­richtswochen sind dies 3,4 bzw. 3,9 UStd. pro Woche. Dies sind etwa im Durch­schnitt 10 % oder weniger der gesamten Unterrichtsstunden.

Die Zahlen belegen, dass die EU allenfalls am Anfang der beabsichtigten Ent- wicklung steht. Trotz früheren Lernbeginns ist die Neigung mehr als eine Fremdsprache zu lernen offenbar gering. Außerdem  reicht die aufgewendete Unterrichtszeit bei weitem nicht aus, um die angestrebten Kommunika­tions­fähigkeit zu erreichen. Das Lernen der zwei Fremdsprachen oder sog. Adoptiv­sprachen beschränkt sich auf wenige Sprachen. Die kleineren Sprachen in der EU spielen dabei als Fremdsprachen kaum eine Rolle, so dass ihre Funktion nur auf die der Erst­sprache bzw. Muttersprache beschränkt bleibt.

Die zunehmende Bedeutung der ausgewählten oder durch Lehrpläne vorbe­stimmten Sprache Englisch spricht dafür, dass das Erlernen einer Fremdsprache genügt, weil man der Auffassung ist, dass sie  von den meisten EU-Bürgern verstanden bzw. gesprochen wird.

Ob Englisch als optimale Zweitsprache geeignet ist, hängt vor allem von ihrer linguistischen Struktur, der Schwierigkeit ihres Erlernens und damit der zu errei-chenden Sprachkompetenz ab. Außerdem wird zu prüfen sein, ob die Konzentration auf eine Sprache, und dann speziell auf Englisch, wirklich hilft die politischen Ziele optimal und effektiv umzusetzen, um damit u.a. ein Wir-Gefühl - eine europäische Identität - zu erreichen.

 

4. Welche sprachpolitische Konzeption kann besser zur Problemlösung beitragen?

Grundsätzlich ist das Erlernen von Fremdsprachen wichtig und zu unterstützen. Insofern sind die Maßnahmen der EU und er einzelnen EU-Staaten richtig und sinnvoll. Zweifelhaft bleibt, ob einerseits überhaupt das große Ziel einer europäischen Identität mit dieser Konzeption der Mehrsprachigkeit zu erreichen ist, weil die Begabung der meisten Bürger nicht ausreicht, ne­ben den vielen anderen zu lernenden Fachinhalten zusätzlich ein sinnvolles Kom­mu­nikationsniveau in mehreren nationalen Sprachen zu erreichen. Dies bleibt vor allem einer Minderheit der Gesellschaft, einer Elite, vor­be­halten. Andererseits muss es das politische Ziel sein, der Mehrheit der EU-Bürger ein Wir-Gefühl zu vermitteln, also auch denjenigen denen das Erlernen schon einer Fremdsprache schwer fällt.

Was für die Wirtschaft und für den Alltag gilt, nämlich nach rationalen und immer wieder nach optimaleren Wegen zu suchen, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen, sollte auch in diesem Zusammenhang überlegt und genutzt werden.

So notwendig und sinnvoll das Erlernen nationaler Sprachen ist, so bleibt doch die Frage, ob sie für das angestrebte Ziel der individuellen Mehrsprachigkeit für alle Bürger der richtige Weg ist. Obwohl die meisten EU-Bürger mit wachsender Tendenz Englisch lernen, wie dies in vielen Statistiken immer wieder dargestellt wird, so steht fast niemals etwas über das sprachliche Niveau dieser Sprecher. Zahlen überzeugen nur dann, wenn auch die entsprechende Sprachkompetenz untersucht und nachgewiesen wird. Dies zu untersuchen ist allerdings relativ aufwendig und unterbleibt deshalb. Man verlässt sich auf die Aussage der Befragten. Jeder Lehrer und Schüler weiß, dass das Erlernen von Fremdsprachen nicht einfach ist. Obwohl Englisch als leicht erlernbar einge­schätzt wird, lassen sich bei zunehmender Vertiefung in die Sprache, Schwierigkeiten erkennen, die es nicht als einfache und optimale Fremdsprache ausweist.

Schon  Sapir (1931, S. 59) urteilt  über Englisch: „The simplicity of English in its formal aspect is therefore a pseudosimplicity or a masked complexity.“ Wie bei den anderen National­spra­chen wird auch für Englisch sehr viel mehr Zeit benötigt, um eine sinnvolle Kompetenz zu erreichen. Dafür reicht die zur Verfügung gestellte Lernzeit in den Schulen bei weitem nicht aus; man benötigt außerhalb des Schulunterrichts Anwendungsmöglichkeiten wie bei der Erlernung der Muttersprachen auch.

Wenn das sprachpolitische Konzept der EU mit dem Erlernen von zwei nationalen Fremd­sprachen nicht zum Ziel führt, nämlich möglichst viel EU-Bürger an den Entscheidungen europäischer Instanzen und am Geschehen in den anderen EU-Ländern teilhaben zu lassen, dann sollte man auch nach anderen Möglichkeiten suchen, die den politischen Forderungen und Prinzipien besser entsprechen und wirklichkeitsnäher sind.

Die Umsetzung der Forderung nach Gleichheit aller, wird man mit der der Wahl der eng­li­schen Sprache nicht gerecht, weil sie ja Muttersprache einer EU-Nation ist und für die anderen EU-Länder diese Sprache eine Fremdsprache ist. Dieser Forderung würde man nur gerecht, wenn eine neutrale Sprache ausgewählt wird, die alle EU-Bürger, also auch die Briten,  erlernen müssten. Es müsste eine Sprache sein, die einerseits Ähnlichkeiten mit den europäischen Sprachen aufweist und andererseits leichter zu erlernen ist als ethnische Sprachen. Diese Voraussetzungen erfüllen sog. Plansprachen oder auch eine nach diesen Kriterien neu zu schaffende Europasprache. Die Idee zur Vereinfachung von Sprachen existiert schon seit Jahrhunderten und es gibt dafür zahlreiche Beispiele. Eine dieser Plansprachen ist Esperanto, eine europäische und leicht lern- und anwendbare Sprache. Mit einer solchen gemein- samen Zweitsprache, vielleicht mit klei­neren Korrekturen, wäre die Umsetzung der politischen Forderungen effektiver und reali­s­ti­scher als dies bei der mehrsprachigen Lösung der Fall ist.

Die sprachpolitische Konzeption wird wesentliche Voraussetzung für die Heran-bildung einer gemeinsamen europäischen Identität sein und sollte daher nicht unterschätzt werden. Diese Lösung mit einer neutralen Zweitsprache würde auch die Vielfalt der Sprachen und Kulturen besser fördern als dies mit der Nationalsprache Englisch der Fall wäre.

Bevor Englisch zur „Muttersprache“ der Europäischen Union wird und dann die „Beerdigung des europäischen Sprachreichtums“ droht(Frank, H., 2005, S.88) sollte man ernsthaft über die vorgeschlagene Lösung nachdenken.

 

Schrifttum:

Frank, H: Europa als Sprachgemeinschaft. In: R. Selten, H. Frank: Für Zweisprachigkeit in Europa. Paderborn: IFB-Verlag 2005. S. 73 – 111.
Eurostat: Eurobarometer Spezial 243:  Die Europäer und ihre Sprachen. EU Kommission,2006.
(http://ec.europa.eu/public_opinion/archives/ebs/ebs_243_sum_de.pdf;
Eurydice: Key Data on Teaching Languages at School in Europe 2008. (http://eacea.ec.europa.eu/portal/page/portal/Eurydice/showPresentation?pubid=095EN
)
Sapir, Edward: The function of an International Auxiliary Language. In: H.N. Shenton, E. Sapir, O. Jesperson: International Communication. London: Kegan Paul, Trench, Trubner, 1931, S.65-94.
Charta der Grundrechte der Europäischen Union, proklamiert auf der Regierungskonferenz von Nizza am 7. Dezember, 2000.

 

Abstract

The existence of so many languages and cultures within the European Union is very valuable on the one hand on the other hand, however, it is very difficult to solve the language problems in order to achieve a common sense within this European community. Nearly all national languages are official languages and they have same rights – theoretical.  In practice, the European Commission recommends to learn two foreign languages only. Most pupils learn one foreign language only in school. Nearly 50 percent of schoolboys and girls don’t learn any foreign language. There is no information regarding quality of language competence. In general most students are not interested in learning languages, which are spoken in small countries. Consequently these languages will lose their importance within the European community. Therefore it’s better to use another concept, e.g. to use a neutral language which could be learnt more simpler and easier than English or another  national language, and in consequence a better and faster common identity could be achieved. One of these planned languages is Esperanto, which bases on European languages. With the knowledge of this language more people will be able to communicate with people, who speak another mother tongue. For realization of the European identity, in our opinion, better results could be obtained by use of this concept than by application of that one of the European Commission.

 

 

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