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Sprachmission und Sprachimperialismus

Sprachmission und Sprachimperialismus der EU-Partner

 

Unter Sprachimperialismus wird hier die Bemühung einer Sprach­­ge­meinschaft verstanden, durch Zustandebringen von Beschlüs­sen oder durch Abschluss von Verträgen (einschließlich unmittelbarer "Kauf'‑ Ver­trä­ge“ ) der eigenen Sprache Vorrechte zu sichern. Sprach­mission ist die Bemühung um die Verbreitung der eigenen Sprache im Sprachaus­land als Zweitsprache durch Werbung, ein­schließ­lich des Angebots der Leistungen selbst finanzierter Kultur­institute.

 

Die intensivste Sprachmission betreiben auf dem Boden der EU wie auch weltweit Frankreich (Alliance Francaise) und England (British Council); wesentlich geringer ist der Aufwand der deutschen Sprach­mission (Goethe‑ Institut); in allen drei Fällen ist der Aufwand für Auslän­der‑Stipendien zum Studium an sprachinländischen Hochschulen als ‑ vor allem von Frankreich gepflegte ‑ flankierende Maßnahme der Sprach­mission anzusehen. Bei den anderen Sprachgemeinschaften ist eine Sprachmission nicht (Dänisch) oder nur in nationalem Rahmen (z.B. in Belgien für das Flämische, in Irland für das Irische), oder in nur sehr geringem Umfang (Italienische Kulturinstitute) festzustellen. Zur Sprachmission gehören auch Sprach- kurse in Rundfunk und Fernsehen, die Schla­gerproduktion sowie touristisch eingekleidete Sprach­werbe­maßnahmen, insbesondere Urlaubskurse im Sprach-ausland; auch hierbei sind Frankreich und England führend. Die englische Sprachmission wird in erheblichem Ausmaß von US‑amerikanischer Seite gefördert (Amerika‑Häuser; USA­­-Stipendien; Überschwemmung des europäischen Buch- marktes mit US‑amerikanischer Literatur; englische Beschriftungen auf amerika-nischen Exportgütern bzw. den zugehörigen Beschreibungen etc.). Die deutsche Sprach­mission wird in allerdings nur geringem Umfang und vorwiegend außerhalb des Bodens der EU durch die Sprachmission Goethe-Institute (und früher auch der Herder‑Institute der DDR) unterstützt.

 

Auf dem Boden der EU sind nach dem zweiten Weltkrieg als sprachim-perialistisch die Versuche zur Durchsetzung des Italienischen in Südtirol und zur Beseitigung des Deutschen im Elsaß und in Lothringen anzusehen, sowie vor allem die Festlegung der Sprache der jeweiligen Besatzungsmacht als jeweils erste Schul‑Fremdsprache in den vier Besatzungszonen. Dabei brauchten jedoch die Engländer lediglich den von Hitler geschaffenen Status quo (Englisch statt Französisch als erste Fremdsprache) anzuerkennen, während sich die Amerikaner mit dem ausdrücklichen Zusatz begnügen konnten, in den Schulen ihrer Zone dürfe eine Abweichung vom Oxford English in Richtung zum amerikanischen Englisch hin nicht als Fehler gewertet werden. Sieht man von einzelnen Kulturverträgen ab, durch welche insbesondere Frankreich den Unterricht seiner Volkssprache im Sprachausland zu stabilisieren sucht, dann erscheint der offene Sprachimperialismus auf dem Boden der EU im Gegensatz zum weltweiten Geschehen (vgl. den Kampf um die oder den Kauf der Anerkennung als UN‑Sprache!) heute als ver­nach­lässigbar. Der Öffentlichkeit weitgehend verborgene sprachim­peria­listische Machtkämpfe mit Langzeit­wirkung finden jedoch in den europäischen Gremien bei den Auseinander­setzungen um die jeweiligen Arbeitssprachen statt, wobei in der Regel die weniger starken Sprachge­meinschaften unterdrückt werden oder sich von vorneherein unter­werfen.

 

Keine offenkundige Auswirkung des Sprachimperialismus sind die zwar 1971 gelockerten, aber im Sinne einer Beeinträchtigung der Ziele der deut­schen Sprachmission weiterwirkenden Beschlüsse der Kultusminis­ter­konferenz, welche den Englischunterricht für nahezu alle deutschen Schüler ‑ und zwar in der Regel als erste Zweitsprache verbindlich mach­­ten. Diese Beschlüsse sind andererseits auch kaum als Konsequenz eines deutschen sprachpolitischen Konzepts zu deuten, sondern eher als Erfolg der angelsächsischen Sprachmission.

 

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