ALEUS
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Sprachgrenzüberwindung durch Übersetzen

Sprachgrenzüberwindung durch Übersetzung

 

Offensichtlich können die fünfundzwanzig Sprachen der EU beim Aufbau des Vereinigten Europa nicht ebenso unvermittelt nebeneinander beste­hen bleiben wie die im wesentlichen zwei Sprachen Belgiens bzw. die im wesentlichen drei Sprachen der Schweiz. Denn nur ein ungenügend klei­ner Teil der Europäer wäre in der Lage, alle offiziellen Sprachen der För­deration hinreichend zu be­herrschen. Sprach-grenzüberwindung als un­ab­dingbare Voraussetzung für die Möglichkeit der Vereinigung der jetzt sie­ben­undzwanzig EU‑Staaten ist daher nicht ohne Über- setzungskapa­zität erreichbar.

 

Übersetzung ist zunächst und vordergründig im Europaparlament und den euro- päischen Gremien erforderlich. Als Minimum wird dabei jede Sprach­gemeinschaft fordern müssen, sich in ihrer eigenen Sprache aus­drücken zu können, um nicht von vorneherein einen sprachbedingten Nachteil in der Auseinan-dersetzung zu haben. Übersetzt werden muss also zunächst aus den m = 25 oder zumindest 24 einzelnen Sprachen. Beschränkt man die Zahl der Sprache, in die übersetzt wird, auf eine evtl. kleinere Anzahl n sogenannter "Arbeitssprachen", dann erhält man n • (m ‑ 1) Übersetzungsrichtungen, Bei  m = 6 "wesentlichen" Sprachen und wenigstens n = 3 Arbeitssprachen sind dies schon15 Übersetzungs­rich­tungen, bei voller Gleich-berechtigung aller (m = n =) 25 EG‑ Amts­sprachen wären es 600(!!) Über-setzungsrichtungen. Bei dieser Größen­ordnung  liegt der Übersetzungs-aufwand außerhalb jeglicher realisti­scher Umsetzung. Damit wird die Bedingung der Chancengleich­heit der Amts­sprachen ad absurdum geführt.

 

Im Gegensatz zu einem bloßen Staatsbündnis soll jedoch die Vereini­gung Europas auf allen Ebenen stattfinden, d.h. auch die Parteien, Inte­res­senverbände, Fachver bände, Firmen usf., bis hin zu Urlaubergrup­pen, sollen sich begegnen können. Dabei ist überall im Prinzip vom glei­­chen Übersetzungs­aufwand auszugehen. Dies wirft nicht mehr nur das Problem der Bezahlbarkeit, sondern das der Verfügbarkeit von Über­setzer­kapazität auf.

Offensichtlich ist diese zu schaffen e n t w e d e r

 

‑ durch Übersetzungsautomaten, von denen wenigstens die Ein‑ und Ausgabe‑Einheit (der Endplatz) wie ein MP3-Player oder Smartphone jederzeit verfügbar sein muss;

 

‑ oder dadurch, dass in jedem Sprachbereich die Sprachen der anderen Bereiche "arbeitsteilig" erlernt werden, wobei die Lerner auf diese Spra­chen proportional zum Umfang der in ihnen anfallenden, aber darü­ber hinaus relevanten Information verteilt werden und sich hernach wechsel­seitig aushelfen; durch die nur  p a s s i v e Erlernung von zwei oder drei Fremd­spra­chen statt der a u c h  a k t i v e n Erlernung nur einer davon, könnte er­sicht­lich der innereuropäische Informationsumsatz erhöht werden;

 

‑ oder schließlich dadurch, dass eine EU‑Sprache oder eine andere ("neutrale") Sprache festgelegt wird, welche jeder Europäer der Födera­tion lernt, so dass nur in diese übersetzt werden muss; je nachdem, ob es sich dabei um eine EU‑Sprache handelt oder nicht, wären noch m ‑ 1 oder noch m Übersetzungs­richtungen erforderlich.

 

Der erste Weg ist für die nächsten Jahrzehnte als Utopie auszu­schlies-sen, bleibt jedoch wegen seiner offenkundigen Überlegenheit als Hoff­nung auf die Fortschritte der Kybernetik bestehen. Der zweite Weg hat den Nachteil, dass zwar für geplante Verhandlungen bei beliebiger Zu­sam­mensetzung Über­setzerkapazität beschaffbar und bei ungeplan­tem Zusammentreffen genügend großer Gruppen mit beliebig hoher Wahr­scheinlichkeit jede erforderliche Übersetzungskapazität in dieser Gruppe selbst vorhanden ist, dass aber beim Zusammentreffen zweier Indivi­duen (z. B. eines Dänen und eines Italieners) die Wahrscheinlich­keit ihrer Verständigungsmöglichkeit nicht genügend groß wäre.

 

Der dritte Weg sichert zwar die Verständigungsmöglichkeit bei beiders­ei­tigem bzw. allseitigem Verständigungswillen, jedoch würde aus jedem Sprachbereich (außer aus dem evtl. Bereich der ausgewählten Verstän­di­gungs­sprache) nur diejenige Information den anderen Sprachberei­chen zugänglich werden, die von den Sprechern des jeweiligen Sprach­be­­reichs für übersetzenswert gehalten würde. Die Sprachgrenzen wür­den dadurch nicht echt überwunden werden; mit höchstens einer Aus­nah­­me blieben alle EU‑Sprachen isoliert.

 

Es bleibt also politisch keine andere Wahl als einer Kombination des zweiten mit dem dritten Weg zuzustimmen, d. h. (dem dritten Weg fol­gend) den passiven u n d aktiven Gebrauch der festzulegenden Europa­sprache von allen Bürgern des Vereinigten Europa erlernen zu lassen und darüber hinaus (dem zweiten Weg folgend) eine möglichst zweck­mäßige Verteilung der Kapazität zur Erlernung der wenigstens passiven Beherrschung der einzelnen EU‑Sprachen anzustreben. Die sprachpoliti­sche Frage spitzt sich also auf die Frage nach der politisch zu rechtferti­genden Wahl der Europasprache zu.

 

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