ALEUS
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Lernzeit

 

Minimalisierung der Lernzeit für den geforderten Spracherwerb

 

Freiheit bedeutet in erster Linie Wahlfreiheit zwischen alternativen Mög­lichkeiten der Bewältigung unausweichlicher Daseinsprobleme. Daher gehört die Forderung nach Glaubensfreiheit, nach freier Berufs­wahl, nach freier Wahl des Wohnortes und Arbeitsplatzes und nach freien Wahlen zwischen einer Mehrheit politischer Programme seit jeher zu den liberalen Kernansprüchen.

 

Darüber hinaus tritt in neuester Zeit eine neue Erscheinungsform der Frei­heit desto mehr in den Vordergrund liberaler Forderungen, je mehr jene her­kömmlichen Freiheiten zu den schon selbstverständlichen Grund­rechten jedes Menschen gehören: nämlich die mögliche Freiheits­entfaltung in der Freizeit. Man kann der Freizeit ausweichen, indem man die unvermeidlichen Tätigkeiten in sie hinein erstreckt oder indem man die Freizeit in dumpfer Wartehaltung verstreichen lässt. Man kann aber auch Wahlentscheidungen zwischen ver­schiedenen Möglichkeiten der Freiheitsnutzung treffen. Liberale Freizeit­politik drängt auf Maximierung der Zahl gebotener Entscheidungs­möglichkeiten durch entsprechende Bildung, durch ausreichende materielle Voraussetzungen und durch ge­nü­genden Umfang der frei verfügbaren Freizeit.

Lernen kann dazu dienen, die Freiheit der Freizeitnutzung zu ver­größern. Wer mehr Sprachen gelernt hat, kann seine Freizeitlektüre aus einem größeren Textvorrat auswählen und kann die Partner geselligen Zusam­menseins aus einem größeren Kreise zusammenstellen. Andererseits kostet das Erlernen von Sprachen Zeit, die von der Freizeit abgehen und damit freiheitsmindernd Wirken kann.

 

Daraus ergeben sich folgende Forderungen an eine liberale europäische Sprachpolitik:

 

(1) Bei sonst gleichen Bedingungen muss die von jedem Bürger des zu ver­einigenden Europa zu fordernde Sprachbeherrschung so beschaf­fen sein, dass die dazu erforderliche Lernzeit minimalisiert wird.

 

(2) Außerdem ist nach Möglichkeit anzustreben, auch das, darüber hi­naus freiwillig erfolgende Erlernen von (weiteren) Sprachen möglichst zeitökono­misch zu gestalten.

 

Beide Forderungen streben an, entweder Freizeit zu vergrößern oder aber für die unveränderte Freizeit durch weitergehende Bildung die Nutzungsal­ter­nativen zu vermehren.

 

Offensichtlich ist die Lernzeit für eine Sprache mit ausgeprägter biologi­scher und kulturgeschichtlicher Funktion weit größer als die Lernzeit für Sprachen, die nur die kommunikative Funktion zu erfüllen anstreben.  Die Lernzeit für die zu fordernde Sprachbeherrschung ist daher bei Plan­sprachen kleiner als bei Volkssprachen. Das macht erneut deutlich, dass für die Bewältigung der aufwendigen und problematischen Übersetzun­gen bei der Vielzahl er euro­päischen Amtssprachen  von einem liberalen Standort  aus nur die Plansprach­lösung infrage kommt.

 

Dabei wird es sich allerdings kaum vermeiden lassen, dass eine Plan­spra­che, welche sich im Vergleich zu allen anderen Plansprachen für ein Volk durch ein Minimum an erforderlicher Lernzeit auszeichnet, für ein anderes Volk etwas mehr Lernzeit erfordern kann, denn die Änderung der Lernzeit für alle betroffenen Völker durch Abänderung der Sprache kann nur experimentell im Großversuch bestimmt werden. Es lässt sich also erst Monate oder gar Jahre später feststellen, ob der gewünschte Effekt erzielt worden ist. Ein Opti­malisieren der Plansprache hinsichtlich der Lernzeit erforderte daher einen unübersehbaren Zeitraum, so dass allein schon aus diesem Grunde innerhalb gewisser enger Toleranz­grenzen Abweichungen vom Prinzip der mutter­sprachunabhängigen Chan­­cengleichheit zugelassen werden müssen. Gegen­über einer Lö­sung, die für alle beteiligten Völker gleichwenig Lernzeit erfordert, ist eine andere vorzuziehen, wenn sie für niemand mehr aber für einen Teil noch weniger Lernzeit erfordert; dies entspricht dem altbekannten Pos­tulat des "größtmöglichen Glücks der größtmöglichen Zahl". Eine Verlet­zung des Prinzips der strengen muttersprachunabhängigen Chancen­gleichheit  durch Anwendung dieses Postulats ist solange vertretbar, solange

 

(1) diese Abweichung von der Chancengleichheit gegenüber der bio­logisch bedingten Chancenungleichheit vernachlässigbar klein ist, und

(2) die mittlere Lernzeit bei anderen Lösungen des Sprachproblems größer wäre.

 

Es ist möglich, dass der Erwerb ausreichender Plansprachkenntnisse bei Fest­legung einer geeigneten Plansprache und Benutzung geeigneter Lehr­­methoden unter 250 Stunden gehalten werden kann. Dies ist eine Größenordnung, die weit innerhalb des Streubereichs des gesamten schulischen Lernaufwands im Kernbereich durch die Einzellerner liegt, also vernachlässigbar ist.

 

Da keine Sprachgruppe im Vereinigten Europa zahlenmäßig weit über­wiegt, kann die mittlere Lernzeit nicht dadurch gesenkt werden, dass die zur Europasprache zu bestimmende Plansprache möglichst eng an eine der euro­päischen Volkssprachen angepasst wird; vielmehr sollte sie von keinem der beteiligten Völker aus als allzu fremd empfunden werden. Unter diesem egalitären Gesichtspunkt schneiden Esperanto, Intal und auch Ido gegenüber Interlingua, Interlingue und auch Neo besser ab.

 

Trägt man dem letztgenannten Umstand Rechnung, dann bewirkt man zugleich eine besonders hohe Erleichterung des Lernens mehrerer europäischer Volkssprachen nach Beherrschung der (als "Mischsprache" zu planenden) Europasprache.

 

 

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