ALEUS
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Freizügigkeit

 

Maximalisierung der Freizügigkeit in Europa.

 

Zu den Freiheiten, die durch eine liberale Europa‑ und Sprachpolitik vergrößert werden sollen, gehört insbesondere die Freizügigkeit. Anzustreben ist eine möglichst große Leichtigkeit, auch im (europäi­schen) Sprachausland

 

(1) Freizeit zu verbringen,

(2) den Wohnsitz zu wählen,

(3) Arbeit aufzunehmen oder

(4) in einen Freundeskreis aufgenommen zu werden.

 

Was kurzfristig von der Bevölkerung  häufig genutzt wird, nämlich die Ferien im Ausland zu verbringen, wird die Wahl des Wohnsitzes oder gar eines Arbeitsplatzes im Sprachausland dagegen auch langfristig von nur weniger als einem Zehntel der europäischen Bevölkerung angestrebt. Dennoch hat fast jeder Europäer immer häufiger im Sprachinland mit Sprachausländern (Touristen, Gastarbeiter etc.) zu sprechen. Das Sprach­problem bedarf also vor allem hinsichtlich des Massentourismus einer Lösung. Dabei sind zwei Touristengruppen zu unterscheiden:

 

(a) der Normaltourist, dem es mehr um Ortswechsel, anderes Klima, Son­­dersportbedingungen (Meeresschwimmen, Bergsteigen, Skifahren) und Sehenswürdigkeiten als um Kontakte mit einem anderen Volk geht; (b) der Tourist, welcher die Lebens‑ und Denkweise eines anderen Volkes kennenlernen will und dort persönliche Kontakte sucht.

 

Es hat sich als durchführbar erwiesen und soll im Sinne einer liberalen europäischen Sprachpolitik konsequent perfektioniert werden, in den Zentren des Massentourismus, Mehrsprachigkeit zu ermöglichen. Neben der jeweiligen Landessprache muss von den Reiseunternehmen aus den einzelnen Sprachbereichen durchgesetzt werden, dass die jeweilige Spra­che der Gäste bei den polizeilichen Meldezetteln, den Hotelin­schrif­ten, Speisekarten etc. benützt wird. Zielvorstellung muss sein. dass jede Sprache der Europäischen Union an jedem Zentrum des Massentouris­mus in wenigstens einem Restaurant, einem Hotel, bei einem Arzt etc. als Verständigungsmittel gebraucht werden kann und dass für jede der genannten Sprachen ein Auskunftssystem existiert, welches über diese Anwendungsorte informiert. Nur dadurch ist sicher­gestellt, dass auch jene Europäer im touristischen Sinne freizügig werden, die kaum einmal gezwungen sind, eine Fremdsprache zu benutzen und daher auch die Europasprache nur unvollkommen beherrschen werden.

 

Nicht allein zur Erhaltung des Brauchtums sondern auch (und aus libera­ler Sicht vor allem ) zur Erhöhung der Freiheit jener, die dieses stets sprach­gebundene Brauchtum unverflacht erleben wollen, soll anderer­seits der Barbarismus vermieden werden, außerhalb der Zentren des Massen-tourismus den Inschriften in der Landessprache noch fehler­strot­zende Über- setzungen in einer anderen Volkssprache beizufügen, wie es sehr häufig in Englisch, nicht selten auch in Französisch oder Deutsch geschieht. Als Unsitte ist außerhalb der Zentren des Massentouris­mus auch das unerwünschte Ansprechen eines Sprachausländers in einer Ver­stümmelung von dessen eigener Sprache oder gar in der Sprache eines dritten Volkes zu rügen. Als guter Ton zu propagieren ist vielmehr die Benutzung der Landessprache auch gegenüber dem Besucher aus dem Sprachausland, solange dieser nicht wegen entstandener Verstän­di­gungsschwierigkeiten den Wechsel zur neutralen Plattform der Europa­sprache vorschlägt.

Für eine Arbeitsaufnahme im Sprachausland ist je nach Art der Arbeit mehr oder weniger Sprachbeherrschung erforderlich, nämlich

 

(a) für die meisten einfachen körperlichen Arbeiten (z. B. Straßenarbei­ten) lediglich das Verstehen von wenigen Anweisungen;

(b) für komplexere körperliche Arbeiten (z. B. Raumpflegearbeiten, Brie­f­­aus­tragen, Bedienen in Gaststätten) und für nichtsprachgebun­de­ne geis­tige Arbeiten (z. B. im Bereich der Datenverarbeitung) sowie für viele Ar­beiten im Rahmen sprachgrenzüberschreitender Beziehungen (z. B. Außen­­handels-korrespondenz) das Beherrschen der hierfür benutzten Ver­ständigungs-sprache;

(c) für Arbeiten, welche an die Landessprache gebunden sind (z. B. Über­­setzer‑ oder Journalistentätigkeit) gute landes­sprachliche Kennt­nisse.

 

Für den Fall (c) kann eine Freizügigkeit nur durch Erleichterung des Er­ler­nens der Landessprachen erhöht werden. Die einzige sprachpolitische Maßnahme, die dazu dienlich ist, besteht in der Erhöhung der Vielseitig­keit des Fremdsprachenangebots in allen Schulen des Vereinigten Europa und in der Voranstellung eines ausreichenden Unterrichts in einem Fremdsprach-modell, welches das Lernen europäischer Fremd­spra­chen weitmöglichst erleichtert. Dies kann durch eine geeignete Plan­sprache, z. B. Esperanto, erreicht werden. Erhält eine solche Planspra­che die Funktion der Europa-sprache, dann kann sie zugleich eine Frei­zü­­gigkeit bei der Arbeitsplatzwahl in den Fällen (a) und (b) erhöhen, zumal durch die leichte Lernbarkeit einer Plansprache der für solche Arbeiten erforderliche Grad der Sprachbe-herrschung von einem weit größeren Prozentsatz der Bevölkerung in weit kürzerer Zeit erreicht werden kann als bei Wahl einer lebenden oder toten Volkssprache zur Europasprache.

 

Der Behördenverkehr im Sprachinland muss in der Landessprache erfol­gen. Es ist jedoch Sprachausländern zu ermöglichen, sich ihrerseits bei Anfragen an Behörden der Europasprache zu bedienen. Damit wird auch die Wahl eines Wohnsitzes im Sprachausland nicht nur für dort Berufstä­ti­­ge, sondern auch für Bürger im Ruhestand erleichtert.

 

Für die Aufnahme freundschaftlicher oder gar familiärer Beziehungen (Eheschließungen) über innereuropäische Sprachgrenzen hinweg kann die Benutzung der neutralen Europasprache nur ein erster Schritt sein, da erst die kulturgeschichtliche Funktion der Landessprache  ein tieferes Verstehen der Kultur des Gastlandes bzw. ihrer Bewohner erschließt.